Knopf 91

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Knopf 91 an Tschako der Polizei von NRW, ca. 1965
Knopf91 an Stahlhelm M1916.jpg
Knopf 91 an Stahlhelm M1916

„Knopf 91“, auch „Haken 91“, ist die Bezeichnung eines sehr frühzeitig, zum Ende des 19. Jahrhunderts für die millionenfache Produktion genormten Knopfes aus Messing, Aluminium, Buntmetall oder Stahl mit einem dreieckigem Haken zur Befestigung von passenden Bajonettringen mit einer dreieckigen Aussparung zum Anbringen von Schuppenketten, Kinnriemen, auch Sturmriemen genannt, für Pickelhauben, Tschakos und Tschapkas des Militärs im Deutschen Kaiserreich und der Polizei in Deutschland bis Anfang der 1970er–Jahre.

Geschichte

Bei zunehmender Bedeutung und dem sich ausweitenden Einsatz von militärischen Kopfbedeckungen in der preußischen Armee in Deutschland ab 1843, insbesondere durch die Einführung des Lederhelms, volkstümlich Pickelhaube, wurde die Notwendigkeit erkannt, die Kopfbedeckung beim schnellen Laufen oder bei Sturm gegen ein Herunterfallen wirksam und schnell auf dem Kopf sichern zu können. Zu diesem Zweck wurden Kinn- oder auch Sturmriemen, zumeist Bänder aus Leder oder die Schuppenkette, rechts und links an den Kopfbedeckungen angebracht und bei Bedarf unter das Kinn gezogen.

Offiziere konnten ihre mittels Schnallen verschließbaren Lederriemen, die unter die Schuppenketten genäht wurden, unter das Kinn ziehen, um dem Helm sicheren Halt zu verleihen. Diese waren durch Rosetten, die seitlich mit Splinten durch eine verstärkte Lederöse durch die Pickelhauben geführt wurden, befestigt. Die optisch und materiell aufwendigen Schuppenketten sollten später nur den Offizieren, Sonderchargen und einigen Beamten vorbehalten sein. Für Mannschaftsdienstgrade musste eine einfachere Form des Kinnriemens und zügig anwendbare Befestigung zum Einsatz kommen.

Sowohl beim Exerzieren als auch im Felde mussten Schuppenketten durch einen Lederriemen ausgetauscht werden und das möglichst unkompliziert. Dieser Wechsel konnte in Bayern bereits durch einen seitlich angebrachten bajonettartigen Verschluss für Schuppenkette und Lederriemen zügig vorgenommen werden. Den Preußen gefiel diese technische Lösung und erfuhr daher 1891 ihre Übernahme. Der für das Verfahren wesentliche Knopf mit Haken wurde einfach nach dem Einführungsjahr "91" benannt.[1]

Verwendung

Militär

Der werkseitige Einbau des Knopf 91 fand von 1891 bis 1918 statt.

  • Außen an Pickelhauben, Tschakos und Tschapkas von 1891–1918.
  • Innen am Stahlhelm, Modelle M1916 und M1917, von 1916–1918 (Restproduktion M1917). Am Stahlhelm M1918 kam bereits eine Ösenbefestigung direkt am Innenring ohne Knopf 91 zum Tragen.

Polizei

Der werkseitige Einbau des Knopf 91 fand von 1919 bis in die 1970er–Jahre statt.

In der Weimarer Republik wurde die Polizei mit Tschakos ausgestattet. Diese Kopfbedeckung, unter Beibehaltung der Kinnriemenhalterung an Knopf 91, hielt sich in den Bundesländern der alten Bundesrepublik bis zur Produktionseinstellung und Ausmusterung von Tschakos der Polizei gegen Ende der 1960er–, Anfang der 1970er–Jahre. In der DDR erging der Ministerbefehl zur Abschaffung 1962[2], dessen Umsetzung sich in Ost-Berlin aber bis 1964 hinzog.[3] Die West-Berliner Polizei schaffte den Tschako 1968 ab.[4] In Nordrhein-Westfalen wurde der Tschako bis Anfang der 1970er-Jahre getragen.

Danach entfiel eine Verwendung für den Knopf 91, der heute nur noch in Sammlerkreisen zwecks Nachbestückung oder Restaurierung von historischen Kopfbedeckungen gehandelt und mittlerweile für Darstellungen in historischen Uniformen in kleinen Mengen wieder hergestellt wird.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Deutsche Gesellschaft für Historische Uniformkunde Kopfbedeckungen abgerufen am 7. Mai 2021.
  2. Die Deutsche Volkspolizei nach Gründung der DDR. Information der Website www.sachsen-polizeigeschichte.de, abgerufen am 7. Mai 2021.
  3. Birgitt Eltzel: Ex-Polizist zeigt Sammlung über die DDR-Volkspolizei. Berliner Zeitung abgerufen am 7. Mai 2021.
  4. Polizei-Historische Schutzleute Berlin (PHSB),Kopfbedeckungen, abgerufen am 7. Mai 2021.